Im Vorstellungsgespräch eigene Fragen stellen – Optimale Vorbereitung in 5 Schritten

Lesedauer: 7 Min.

„Haben Sie noch Fragen?“ 

Gelangt das Vorstellungsgespräch an diesen Punkt, ist ein Großteil bereits geschafft. Jetzt heißt es: Durch kluge Fragen weitere Pluspunkte sammeln! Keine gute Idee wäre es daher, einfach so zu tun, als wüsstest du bereits alles. Im Gegenteil, durch eigene Fragen signalisierst du, dass du großes Interesse an der ausgeschriebenen Stelle hast und dass du gut vorbereitet bist. 

Darüber hinaus gibt es garantiert Dinge, die dich besonders interessieren. Nutze also die Gunst der Stunde und stelle eigene Fragen, mit denen du dich von anderen Bewerbern als besonders interessiert abheben kannst. In diesem Ratgeber erfährst du:

  1. Was gute eigene Fragen sind, mit denen du im Bewerbungsgespräch den gewünschten Eindruck hinterlässt.
  2. Welche Fragen du im Vorstellungsgespräch besser nicht stellen solltest.
  3. Welche Fragetypen welche Wirkung erzielen.
  4. Wie du eigene Fragen fürs Vorstellungsgespräch entwickelst.
  5. Wie du dich darauf vorbereiten kannst, deine Fragen zu finden und vorzutragen.

Beispielantworten? Experten-Tipps?

Neben den häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch haben wir Beispielantworten und Experten-Tipps für dich zusammengestellt.

1. Was sind im Vorstellungsgespräch eigene Fragen, die gut ankommen?

Gute Fragen für das Vorstellungsgespräch haben einige Gemeinsamkeiten. Überprüfe daher deine Fragen immer auf die folgenden Punkte, um sicher zu sein, dass es sich um eine gute Frage handelt:

  • Es sind keine reinen Wissensfragen, die du über eigene Recherchen schnell selbst beantworten könntest.
  • Sie zeigen, dass du dich für das Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle interessierst.
  • Sie nehmen Bezug auf das vorangehende Gespräch.
  • Sie dienen dazu, dein Fachwissen oder deine Kompetenz durchscheinen zu lassen, ohne dass du dabei übertreibst.
  • Sie helfen dir, zu verstehen, ob es sich wirklich um deinen Traumjob handelt.

Generell sollten eigene Fragen im Vorstellungsgespräch dein Gegenüber zum Erzählen bringen – was ist ihm oder ihr wichtig? Was kann oder möchte er oder sie dazu sagen? 

Fragen, die dein Gegenüber zum Erzählen bringen, sind häufig W-Fragen wie beispielsweise:

  • Was können Sie mir darüber erzählen?
  • Wie würden Sie das beurteilen/einschätzen?
  • Woran arbeiten Sie in der Abteilung X gerade (falls nicht ohnehin bekannt). Auf keinen Fall aber: Was macht Ihr Unternehmen überhaupt?
  • Was sind Ihre wichtigsten Erwartungen an mich als Bewerber/in?

Alternativ kannst du auch Situationen schildern, die im Zusammenhang mit deiner Frage stehen, und dein Gegenüber um seine Einschätzung bitten. 

Wichtig ist in jedem Fall, dass deine Fragen nicht zu lang sind oder zu „ausgedacht“ wirken, sondern interessiert und mit Blick auf die konkret ausgeschriebene Position gestellt werden.

2. Welche Fragen du im Vorstellungsgespräch besser nicht stellen solltest

Stelle nach Möglichkeit keine reinen Entscheidungsfragen, auf die sich mit Ja oder Nein antworten lässt. Es sei denn, du fragst nach einem für dich wichtigen Detail, beispielsweise, ob es eine Kantine im Unternehmen gibt. Stattdessen könntest du aber auch fragen, ob du deinen künftigen Arbeitsplatz schon mal besichtigen darfst – und verschaffst dir dann gleich selbst einen Eindruck. 

Auf Entscheidungsfragen solltest du auch verzichten, wenn du deinen Interviewer dadurch in eine Zwickmühle oder schwierige Situation bringen könntest. Es versteht sich von selbst, dass er oder sie das Unternehmen nicht negativ darstellen wird. Fragst du also, ob deine Kollegen freundlich sind, kann er darauf nur bejahend antworten oder muss ausweichen. 

Ausschließen solltest du zudem alles, was misstrauisch oder abwertend klingt. Auch auf Fragen, die zeigen, dass du eigentlich nur daran interessiert bist, wann du deinen nächsten Urlaub planen kannst oder wie viel Zeit dir für das Fitnesscenter bleibt, solltest du eher verzichten. 

Informationen über Gehalt, Urlaub, Benefits, also über die „harten Fakten“, erhältst du ohnehin meist im Gesprächsverlauf. Auch wenn es schwer fällt – warte diesbezüglich ab. Bleiben die Infos aus, kannst du später immer noch danach fragen. 

3. Für das Vorstellungsgespräch eigene Fragen formulieren: Typen und Wirkung

Um im Bewerbungsgespräch eigene Fragen geschickt einfließen zu lassen, solltest du die verschiedenen Fragetypen und ihre Wirkung beziehungsweise den beabsichtigen Informationsgehalt kennen. 

So kannst du im Vorstellungsgespräch eigene Fragen stellen, die folgenden Typen entsprechen:

  1. Fragen, die dir mehr über das Unternehmen und/oder dein Gegenüber verraten (falls dies beispielsweise auch deine Führungskraft sein wird). Dazu eignen sich am besten die oben erwähnten W-Fragen. Wie denken Sie darüber? Was genau stellen Sie sich darunter vor? Wie würden Sie das beschreiben? Welche Erwartungen verknüpfen Sie mit … Wirkung: Du äußerst Interesse – an der Stelle und an der Person, die dir gegenübersitzt. Und weil die Frage offen formuliert ist, erfährst du auch Dinge, an die du selbst vielleicht noch gar nicht gedacht hast.
  2. Fragen, die sich erst aus dem Gespräch ergeben. Vielleicht erwähnt dein Gegenüber, dass du auch einen Teil der Arbeitszeit im Homeoffice leisten kannst. Dann hast du sicher Fragen dazu, in welchem Umfang dies möglich oder erforderlich ist und ob die Ausstattung dafür gestellt wird. Hab also auch keine Scheu, dir während des Bewerbungsgespräches eine spontane Frage zu notieren. Idealerweise hast du ein kleines Notizbuch und einen Stift schon dabei und ausgepackt, fängst also in einem solchen Moment nicht erst an, in der Tasche zu kramen. Willst du ein mobiles Gerät dafür benutzen, solltest du vorab fragen, ob das okay ist – es könnte sonst für Verwirrung sorgen, wenn du während des Vorstellungsgespräches plötzlich damit beschäftigt scheinst. Wirkung: Du erweist dich als jemand, der aufmerksam zuhört und erkennt, worauf es ankommt. Du lässt dein Gegenüber ausreden, arbeitest wichtige Punkte aber strukturiert ab.
  3. Fragen, die sich auf das Umfeld der Stelle beziehen – auf Kollegen, Vorgesetzte, deine Vorgänger, Weiterbildungen, den Arbeitsplatz. Wirkung: Du erweist dich als Teamplayer, bist nicht nur an eigenen Vorteilen interessiert, sondern auch an der Kollegenschaft und am Unternehmen.
  4. Fragen, die sich aus der Besonderheit deiner Position oder der Verantwortung, die du damit übernimmst, ergeben. Besonders wichtig ist dies, wenn du dich auf gehobene Positionen bewirbst, in denen du Verantwortung für andere übernimmst. Wirkung: Du zeigst, dass dir bewusst ist, dass es Besonderheiten geben könnte und erweist dich schon in deinen Fragen als umsichtig und vorausdenkend.
  5. Fragen zu Tätigkeiten und Ausbildern. Bewirbst du dich für ein Praktikum, eine Ausbildung, eine Hospitanz oder ein Volontariat? Dann lass dir vorab auch gern erklären, wer dich anleiten wird und wo du mit welchen Tätigkeiten eingesetzt wirst. Wirkung: Du zeigst, dass du wirklich etwas lernen möchtest, dich weiterentwickeln möchtest und nicht einfach nur ein „Pflichtprogramm“ absolvieren willst.

4. So entwickelst du eigene Fragen fürs Vorstellungsgespräch

In unseren Ratgebertexten findest du hilfreiche Anleitungen, wie du dich am besten auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitest. In jedem Fall gilt: Informiere dich gründlich über das Unternehmen und finde so viele Details wie möglich über die ausgeschriebene Vakanz heraus. 

Auch für das Entwickeln eigener Fragen ist dies von entscheidender Bedeutung. Gehe auf die Website und die Karriereseite des Unternehmens, schau dich auf Bewertungsportalen um, lies dir sorgfältig die Anforderungen durch, die sich aus dem Stellen- und Anforderungsprofil ergeben. 

Notiere dir dabei alle Fragen, die nicht beantwortet werden, die aber wichtig sind, um einschätzen zu können, ob du die richtige Person für diese Stelle bist. Und umgekehrt, ob die Position deinen Vorstellungen entspricht. 

Neben dem Tätigkeitsfeld können auch die unternehmerischen Werte und Visionen Anlass zum Nachfragen geben. Bist du ein Familienmensch interessiert dich gewiss, welchen Stellenwert das Unternehmen dem Bemühen zuordnet, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 

Ist es dir besonders wichtig, ein kollegiales Umfeld vorzufinden, zu dem regelmäßige Feiern oder Events gehören, kannst du ebenfalls danach fragen – aber natürlich immer in einer angemessenen Ausdrucksweise. Der Schwerpunkt deiner Fragen liegt darauf, etwas über deine zukünftige Tätigkeit herauszufinden.

Einen guten Eindruck macht es zudem, wenn man ein Gespräch nicht nur einleiten, sondern auch beenden kann. Überlege dir daher idealerweise eine Frage, mit der du anzeigst, dass du von deiner Seite aus jetzt alles Wichtige erfahren hast, beispielsweise: Also ich würde mich über eine Einstellung sehr freuen. Können Sie mir etwas dazu sagen, wie es jetzt weitergeht, wann ich mit einer Entscheidung rechnen kann?

5. Mit dem digitalen Bewerbungstrainer Fragen finden und vortragen üben

Wenn du unseren digitalen Bewerbungstrainer schon ausprobiert hast, weißt du ja, wie es funktioniert: Mithilfe des Tools kannst du ein Bewerbungsgespräch zu mehr als 1.100 verschiedenen Berufen mit mehr als 200.000 Fragen simulieren und dir Tipps und konkrete Beispielantworten anzeigen lassen. 

Dabei handelt es sich neben allgemeinen Fragen zu deiner Person um Wissens- und Sachfragen, die zeigen, dass du das erforderliche Know-how mitbringst. Unser digitaler Bewerbungstrainer kann dir aber auch dabei helfen, eigene Fragen fürs Vorstellungsgespräch zu ersinnen. Denn Fragen stellen sich immer nur im Zusammenhang mit Wissen ein. Wer nichts weiß, kann auch nichts fragen. Schon deshalb ist es so wichtig, dass du für das Vorstellungsgespräch eigene Fragen entwickelst. 

Wirst du also im digitalen Bewerbungstraining beispielsweise gefragt, wie du dich als Erzieher/in in einer bestimmten Situation verhältst, kann die Antwort davon abhängen, wie die Ausstattung oder die Methodik in der Kita ist. Und schon notierst du dir eine Frage, an die du bis dahin vielleicht noch gar nicht gedacht hast. Übe dich zudem darin, mündlich zu antworten, nutze also idealerweise auch die Audio-Funktion, um Sicherheit im Vortragen zu erlangen. 

Denn nicht nur der Inhalt der Fragen ist wichtig, auch der Ton macht im Bewerbungsgespräch die Musik. Nehmen wir als Beispiel die oft empfohlene Frage: „Warum ist die Stelle vakant?“

Je nachdem, wie du sie betonst und wer dir gegenübersitzt, kann diese Frage als Interesse oder als Misstrauen ausgelegt werden. Souveräne Gesprächspartner werden dir im Bewerbungsgespräch souveräne Antworten darauf geben. 

Hast du den Eindruck, dass dir jemand gegenübersitzt, der eher unter Druck steht, versuche, die Frage „weicher“ zu formulieren: Seit wann ist die Stelle denn unbesetzt? Um dann durch eine geschickte Gesprächsführung herausfinden, was der Grund dafür ist. Spiele also auch in der Vorbereitungsphase schon mit verschiedenen Varianten deiner Fragen und berücksichtige neben ihrem Inhalt und ihrer Wirkung auch den Klang. 

Lust auf mehr?

Hier bekommst du Tipps & Antworten zu konkreten Fragen, die dich in Bewerbungsgesprächen erwarten.